Was ich so schreibe … und warum …

Im Alter von 13 Jahren zog ich mit meinen Eltern aus der Wetterau ins schöne Frankfurt am Main – ein echter Kulturschock! Ich war ein Landei, das Frankfurt nur durch Besuche bei der Großmutter kannte und keine Ahnung vom Leben als Jugendlicher in der Großstadt hatte. Ich holte mir auch zügig meine ersten Blessuren in Form von gewalttätigen Auseinandersetzungen mit meinen Altersgenossen ab, weshalb ich mir eine Clique suchte, in der ich den Schutz, die Freundschaft und die Geborgenheit fand, die man in der Anonymität einer Großstadt braucht, um erwachsen zu werden.

Von meinem vierzehnten bis zum einundzwanzigsten Lebensjahr war ich Teil der in den späten Siebzigern, frühen Achtzigern in Deutschland entstandenen Jugend- und Subkultur, die aus England zu uns herüber kam. Zu meinen Freunden zählten Rudeboys, Suedeheads, Psychobillies, Teddyboys, Mods, New Waver, Rockabillies, Punks, Popper u. v. m. Wir hörten Madness, Bad Manners, The Specials; eben alles was es an Ska oder 2-Tone Musik aus England gab. Uniformiert mit Doc Martens oder Chuck Taylor Converse, Sta Prest oder Diesel Jeans, Button-down von Ben Shermann, Poloshirt von Fred Perry  und einer grünen Bomberjacke, auf der ich stolz die Initialen meines Namens und den Namen meines Stadtteils trug, zogen wir auf der Suche nach Abenteuern nächtelang durch Frankfurt.

In dieser Zeit verliebte ich mich unsterblich in ein zwei Jahre jüngeres Mädchen, dem ich frühmorgens an einer Bushaltestelle begegnete. Etwas später trafen wir uns durch Zufall wieder und wurden für einige Monate ein Paar. Es hielt nicht lange, denn wir waren selbstzerstörerisch, betrügerisch und von einer nicht zu beschreibenden Wut begleitet. Trotz all dieser Unwägbarkeiten brach sie mir mein Herz, riss es aus meiner Brust, nahm es mit und hat es mir bis heute nicht zurückgegeben.

Ich begrub meinen Zorn und meine Wut unter einem anderen Leben und viele Jahre waren die damaligen Ereignisse für mich auch kein Problem – bis Mitte vierzig lebte ich ganz normal: Familie, Haus und Hund.

Doch in meiner Mitlebenskrise überwältigte mich meine Vergangenheit. Ich sehnte mich zurück, in die Zeit als ich jung war, als mir alles ohne Mühe gelang, alles so weit weg schien, alles so unbeschwert wirkte. Ich begann, mich mit dem Phänomen Jugend- und Subkultur zu beschäftigen. Las alle Literatur, die ich dazu finden konnte, wollte alles darüber wissen. Letztendlich gab es für mich aber nur einen Ausweg:

ich musste es aufschreiben, musste alles im Kopf noch einmal durchleben – das Gute, das Schlechte und auch das Hässliche. Damit konnte ich mich endlich befreien, konnte aufarbeiten, was so lange in mir vergraben und verborgen war.

Ich löste auch das Rätsel um meine Jugendliebe – die eine Liebe, die man nur einmal im Leben empfindet und die eine Wunde hinterlässt, die niemals aufhört, zu bluten. Ich erkannte, dass sie, das junge Mädchen von damals, meine große Liebe ist, ich aber nicht ihre. Diese Erkenntnis brach mir erneut das Herz. Aber als ich Leuchtturm – Die Zeit heilt keine Wunden fertigstellte, da wurde aus dem blutroten Strom meines Herzens ein Rinnsal. Es wird nie ganz vergehen, aber es schmerzt auch nicht mehr so sehr.

Deshalb schreibe ich Romane über eine Zeit, die ich miterleben durfte, deren Zeuge ich war. Es macht mir unheimlich viel Spaß mich zu erinnern. Dabei vergesse ich aber auch nie, dass es eine Gratwanderung zwischen jugendlichem Leichtsinn, kindlicher Unbeschwertheit und einer durch Erwachsene geprägte Welt war, in der wir uns nur schwer zurechtfanden.

Um niemandem zu nahe zu treten, habe ich die Erlebnisse verfälscht. Alles was ich schreibe, ist Fiktion, alle Namen und Handlungen sind frei erfunden.

Mein erster Roman mit dem Thema Jugendkultur und Jugendliebe „Groß Stadt Lichter“ ist bereits veröffentlich und im Handel erhältlich, „Leuchtturm – Die Zeit heilt keine Wunden“ erscheint demnächst.

Eine kleine Auswahl und Buchbeschreibungen finden Sie hier: